Die Chronik des „Weißen Rößls“: Über 350 Jahre Geschichte
Die Geschichte der Gaststätte Weißes Röss’l in der Burgstraße
Schon im 17. Jahrhundert lag in der Burgstraße ein Gebäude, das als „Weißes Pferd“ bezeichnet wurde. Dieses Anwesen ist wahrscheinlich mit dem Objekt identisch, das heute die Gaststätte „Weißes Röss’l“ beherbergt. Das Weiße Pferd gehörte zum damaligen Zeitpunkt Stolbergs evangelisch-reformierter Gemeinde, die auf dem benachbarten Finkenberg ihre Kirche errichtet hatte. Sie hatte das Weiße Pferd von der Familie Luls übernommen.
Die Familie Luls war wohlhabend und besaß in der Altstadt umfangreichen Grundbesitz. Eine Karte von 1765 zeigt die Liegenschaften in der Burg- und Vogelsangstraße sowie In der Schart. Erwähnt werden für das „Haus zum Weißen Pferd“ folgende Namen: Niclas Hoselt, Johann Schoel und Wittib (Witwe) Christian Peffer. Sicherlich kommen sie als Eigentümer oder Miteigentümer in Frage. Ob das Anwesen zum damaligen Zeitpunkt schon eine Gaststätte besessen hat, ist nicht geklärt.
Nachweisbar ist eine Gaststätte aber im späten 19. Jahrhundert. Victor Holtz besaß laut Adressbuch der Stadt Stolberg von 1894 im Haus Burgstraße 35 eine Gaststätte. Der Gaststätte war vermutlich auch eine Metzgerei angeschlossen.
Denn Holtz war nicht nur als Gastronom, sondern auch als Metzger tätig.
Diese Nutzungs- und Eigentumsverhältnisse sind auch für das Jahr 1924 belegt. 1954 ging das Gasthaus in den Besitz der „Ketschenburg-Brauerei“ über. Danach führten Pächter den Betrieb im Weißen Röss’l. Die Ketschenburg-Brauerei lag am Willy-Brandt-Platz und hat von 1817 bis 1985 bestanden. Geleitet wurde die Brauerei, die eine alte Ansicht von Burg Stolberg im Logo trug, von der Familie Brückmann: die bekanntesten Marken waren „Ketsch-Pils“, „Ketsch-Obergärig“ und „Caramel“. Sicherlich sind diese Biersorten auch im Weißen Röss’l angeboten worden.
Die Frontgestaltung des zweigeschossigen Bruchsteinhauses ist im 20. Jahrhundert mehrmals verändert worden. Um 1900 lag die Eingangstüre auf der rechten Seite. Mitte der 1970 Jahre war sie auf der linken Seite angeordnet. Über der Eingangstüre befand sich ein großes Schild, das die Aufschrift „Zum Weißen Röss’l - Eheleute Offermanns“ trug. Außerdem war die Front mit mehreren Reklametafeln bestückt, die Auskunft über die Biersorten der Ketschenburg-Brauerei gaben, die im Hause Burgstraße 35 angeboten wurden - zeittypisch der Kaugummiautomat.
Wahrscheinlich wurde die Gaststätte damals schon als Speiselokal geführt, dem ein großes Gesellschaftszimmer angeschlossen war. Seit 1989 gehört das Weiße Röss’l zum Besitz der Familie Brückmann: Bernhard Brückmann hatte damals aus dem Eigentum der aufgelösten Ketschenburg-Brauerei die Liegenschaft Weißes Röss’l übernommen. Im Zuge der Altstadtsanierung in den 1980er Jahren wurde auch die Fassade dieses Baudenkmals restauriert und Veränderungen des 19. und 20. Jahrhunderts rückgängig gemacht. Heute ist die mit einem Blausteingewände eingefasste Eingangstüre in der Mitte angeordnet und weist den Gästen den Weg in die Gaststube des Traditionshauses.
(Toni Dörflinger, März 2026)
Herzlichen Dank Toni für die Unterstützung und das Vertrauen, uns die Geschichte dieses besonderen Stolberger Ortes als Lokalhistoriker der Stadt anzuvertrauen. viele Grüsse Heike & Jörg
Die Zeit zwischen 1989 - 2010 wird aktuell noch recherchiert.
.Die Ära Manfred Blumberg (2010 – 2021)
Ab 2010 wurde das Restaurant von Manfred Blumberg und seiner Frau Livia geführt. Blumberg, der zuvor rund 20 Jahre lang das Restaurant „Zum Rasch“ in Breinig betrieben hatte, übernahm das Weiße Rößl nach der Schließung seines alten Betriebs Ende 2015.
Soziales Engagement: Blumberg war in Stolberg besonders für sein soziales Herz bekannt. Er führte im Weißen Rößl die Tradition fort, an Heiligabend ein kostenloses Festessen für bedürftige und einsame Menschen auszurichten.
Manfred Blumberg, sowie andere Gastronomiebetriebe, darunter auch die Sterneköchin Su Vössung und ihr Ehemann Bui, die später das weisse Rössl weitergeführt haben, haben im Rahmen der Hilfeleistungen nach der Flut 2021 auch eine kostenlose Verpflegung organisiert.
Obwohl das Restaurant „Weißes Rößl“ und andere in der Burgstraße selbst nicht vom Hochwasser betroffen waren, nutzten die Gastronomen in Stolberg die Kapazitäten um zu helfen:
Verpflegung für Betroffene und Helfer: In den Tagen und Wochen nach der Katastrophe gab er im „Weißen Rößl“ warme Mahlzeiten an Menschen aus, die durch die Flut ihr Hab und Gut oder ihre Kochmöglichkeiten verloren hatten. Auch die zahlreichen freiwilligen Helfer, die in der Stolberger Altstadt im Einsatz waren, wurden dort versorgt. Hier waren alle umliegenden Gastronomiebetriebe die nicht von der Flut betroffen waren, ein wahrer Schatz für Stolberg der Helfer in der Not und haben hier einen grossen Beitrag für die Flutopfer geleistet.
Fortsetzung einer Tradition: Dieses Engagement passte zu seiner langjährigen sozialen Einstellung. Er war in Stolberg bereits dafür bekannt, seit 2007 jedes Jahr an Heiligabend gemeinsam mit seiner Frau Livia ein kostenloses Weihnachtsessen für Bedürftige auszurichten.
Besonderes Weihnachtsessen 2021: Im ersten Winter nach der Flut (Weihnachten 2021) weitete er dieses Angebot explizit auf die Flutopfer aus, da viele Anwohner der Unterstadt zu diesem Zeitpunkt noch immer in provisorischen Verhältnissen lebten.
Diese Hilfsbereitschaft, kombiniert mit seinem Einsatz bei der Rettung des Stadtarchivs, machte ihn zu einer der prägenden Figuren der privaten Nachbarschaftshilfe in Stolberg während der Krisenzeit. Im Jahr 2022 übergab er das Restaurant schließlich an die Köchin Susanne Vössing und verabschiedete sich in den Ruhestand.
Ruhestand: Mit dem Erreichen des Rentenalters verabschiedete sich Manfred Blumberg Mitte 2022 in den Ruhestand und beendete damit eine Ära der klassischen Altstadt-Gastronomie.
6. Das Konzept „Vössing im Weißen Rößl“ (2022–2025)
Im Oktober 2022 pachteten die Sterneköchin Su Vössing und ihr Ehemann Bui Vössing das traditionsreiche Haus und renovierten es komplett neu. Unter anderem wurde der Bierkeller, die Küche und der Fettabscheider momdernsiert.
Das Konzept: Su Vössing etablierte eine „gehobene Wohlfühlküche“. Ihr Ziel war es, handwerkliche Brillanz aus der Sternegastronomie in einer entspannten Atmosphäre anzubieten. Das Haus fungierte dabei gleichzeitig als Restaurant und Thekenausschank, um die historische Identität als Treffpunkt für alle Bürger zu wahren.
Schließung: Im Januar 2025 gaben die Pächter bekannt, das Restaurant aus persönlichen Gründen zu schließen. Das Gebäude verblieb weiterhin im Eigentum der Familie Brückmann.
7. Zukunftsblick: Murphy’s White Horse (ab 2026)
Für das Jahr 2026 ist eine neue Ära für das historische Gebäude unterhalb der Burg geplant:
Das neue Konzept: Die Räumlichkeiten werden als Irish Pub unter dem Namen „Murphy’s White Horse“ neu eröffnet.
Kontinuität: Mit dem Fokus auf Bierkultur und Geselligkeit kehrt das Haus zu seinen Wurzeln zurück, die einst von der Brauerfamilie Brückmann gelegt wurden. Der Name „White Horse“ bleibt dabei eine direkte Hommage an die über 250-jährige Geschichte des „Weißen Rößls“.
Zusammenfassend: Das Weiße Rößl hat in über 350 Jahren drei Staatsformen, zwei Weltkriege und zahlreiche Besitzerwechsel überstanden. Es bleibt ein steinernes Zeugnis der Stolberger Stadtgeschichte, die mit dem Murphy´s White Horse weitergeht…